Nachrichtenticker: Archiv 2012

Welche Koalitionen geht die FSA noch ein?

31.12.2012

Al-Quds al-Arabi reported:  Eine jordanische “tribal front - under construction” warnte davor, dass es geheimte Kontakte gebe (gesponsert und unterstützt von einigen jordanischen Zirkeln) zwischen Israel und dissidenten Offizieren der FSA. Der Sprecher der Front, Shaykh Muhammad Khalaf al-Hadid, erklärte gegenüber Al-Quds al-Arabi, dass es geheime Kontakte und Treffen zwischen Offizieren der FSA, die sich in Jordanien aufhalten und israelischen Verantwortlichen gegeben hätte. Al-Hadid bestätigte, dass es bei diesen Treffen auch um die Überreste des israelischen Spions in Syrien, Eli Cohen, ging. Er wurde in den 60er Jahren zum Tode verurteilt und hingerichtet. Shaykh al-Hadid verurteilte diese Treffen der jordanischen Organisationen und ihre Koordination mit den westlichen und zionistischen Organisationen und der FSA. Er warnte aber auch davor, dass diese Treffen mit „Verrätern“ und „Infiltratoren“ die syrische Revolution gefährden würden. (mideastwire)

Afghanistan/Bundeswehr: Zehn Klagen auf Schadenersetz

29.12.2012

„Der Bremer Anwalt Karim Popal hat am Donnerstag beim Landgericht Bonn weitere zehn Klagen auf Schadenersatz für Hinterbliebene der Opfer eines von Klein am 4. September 2009 befohlenen Bombenangriffs eingereicht. Auf Anordnung des damaligen Obersten hatten US-Kampfbomber in Afghanistan zwei entführte Tanklastwagen bombardiert – dabei verbrannten Dutzende Menschen bei lebendigem Leibe, darunter Frauen und Kinder. Im Auftrag von 426 Hinterbliebenden und Verletzten will Popal gemeinsam mit dem Bremer Juraprofessor Peter Derleder durchsetzen, daß die Bundesrepublik Deutschland 3,3 Millionen Euro an Entschädigung zahlt – je nach Fall 30000 bis 90000 Euro pro Person. Schon vor einem Jahr hatte der aus Afghanistan stammende Anwalt zwei Musterklagen erhoben, über die das Landgericht Bonn aber noch nicht entschieden hat. Die neuerlichen Klagen wurden kurz vor Ende der Verjährungsfrist eingereicht. Zuständig dafür ist das Landgericht Bonn, da das Bundesverteidigungsministerium nach wie vor in der ehemaligen Bundeshauptstadt seinen Hauptsitz hat.“ Siehe: http://www.jungewelt.de/2012/12-29/060.php

Aleppo: An Islamic emirate!

27.12.2012

Die jihadistische Al-Nusrah Front wird vom Prediger der Umayyadenmoschee, Ahmad M´ath al-Khatib (er ist der Vorsitzende der in Doha gegründeten Nationalen Koalition) verteidigt. Der Druck auf das Zustandekommen dieser Koalition war enorm: Drohungen, Geheimnisse zu enthüllen über das was hinter den Kulissen stattfand („about commissions, deals, envelopes, checks, and suspicious practices in hotels, gardens, and conferences that have all been documented audiovisually with accurate dates”). Die “Freunde Syriens” haben nichts getan, um Brahimis Mission zu unterstützen. Sie haben bewaffnete Gruppen, Organisationen und terroristische Gruppen finanziert, unterstützt und ausgebildet, aber das Regime haben sie nicht stürzen können. „What is happening in Syria now, in terms of methodical destruction that strikes humans and infrastructure, confirms the reality of the objective they are seeking: transforming Syriainto a failed state…”
Al-Nusrah Front with its open Al-Qa'idah rhetoric, which Sheikh M'ath al-Khatib has defended (die USA hat sie inzwischen als terroristische Organisation eingestuft) is now getting ready to establish its Islamic "emirate" in Aleppo after "cleansing" the neighbourhoods it controls of its opponents, whether armed or not armed; starting to impose its own law; and prohibiting any armed formations from entering these neighbourhoods, particularly the neighbourhoods of Al-Mashhad, Bustan al-Qasir, and Al-Firdaws…”
Und dann wird noch blauäugig posaunt, dass man nach einem Sieg die Jihadisten leicht wird kontrollieren können.  
Auszug aus: Al-Ra'y, Jordan (mideastwire.com)

Hollande in Algerien: Kniefall vor der Kolonialmacht

22.12.2012


(22.12.2012, u.a. El Watan, Le monde, afrik.com, Slateafrique) Rauch hing in der Luft, in der Hauptpost schwelte zufällig ein Brand, als dem französischen Staatspräsidenten François Hollande am Mittwoch in Algier vor erlesenem Publikum vom Bürgermeister der Stadtschlüssel überreicht wurde. Hollande hatte schon vor seiner Wahl angekündigt, dass er mit der Gewohnheit seiner Vorgänger  brechen und bei einer Antrittsreise in Nordafrika zuerst nach Algier, dann erst nach Marokko, seit Langem Frankreichs engster Verbündeter in Afrika, reisen würde. Doch würde Hollande im fünfzigsten Jahr der Unabhängigkeit der früheren Kolonie auch die Schuld für die über eine Million Opfer anerkennen, mit denen sich die Algerier ihre Freiheit in einem erbitterten Krieg erkämpfen mussten?
Als Hollande Donnerstagmorgen vor das Parlament in Algier trat, nannte er den Algerienkrieg zwar durchaus beim Namen, aber eine Entschuldigung, auf der vor allem die Islamisten bestanden hatten, blieb aus. Wie schon in einer früheren Erklärung zum Massaker an FLN-Anhängern im Oktober 1961 in Paris erkannte er die Verbrechen der Kolonialzeit zwar an, aber nicht die eigene Verantwortung: "132 Jahre lang war Algerien einem zutiefst ungerechten und brutalen System unterworfen (...). Dieses hatte einen Namen: Es war der Kolonialismus, und ich erkenne hiermit an, welche Leiden dieser dem algerischen Volk angetan hat."
Doch Hollande hätte noch so hochgreifende Worte finden können, sei es in Algier, sei es später am Donnerstagabend auf einem Ausflug nach Tlemcen – das Interesse an seinem Besuch hielt sich in Algerien in engen Grenzen. Weit wichtiger als historische Momente war zudem das Geschäft: So verhalf Hollandes Besuch unter anderem Renault, Axa und Sanofi zu Vertragsabschlüssen. Hier scheint in Algerien gegenwärtig noch mehr zu holen als in dem wirtschaftlich zerrütteten Marokko.
In Tlemcen nahm Hollande neben dem Stadtschlüssel an der Universität einen Ehrendoktortitel entgegen, wobei es ihm keine Probleme bereitete, diesen in Algerien kritisierten Kniefall vor der Kolonialmacht als Ehrung ganz Frankreichs darzustellen. Der Jugend Algeriens versprach Hollande eine Lockerung der Visavorschriften – auch dieses Versprechen ist schon oft genug gehört worden. Was über Mali vereinbart wurde, ist nicht bekannt. Frankreichs Ziel scheint zu sein, Algerien, das u.a. auf Anraten seiner US-amerikanischen Verbündeten hin damit begonnen hat, an der Grenze zu Mali einen Schutzwall zu errichten, in eine Koalition gegen die Separatisten im Norden des Landes einzubeziehen. Beide Länder haben sich auf ihre Weise in dem Konflikt als Brandstifter betätigt, Algerien durch seine Manipulation der Jihadisten seit dem zurückliegenden Bürgerkrieg, Frankreich zuletzt durch seine Libyen-Intervention.
In Dakar hatte Hollande im Oktober das unselige Kapitel "Françafrique" (wie man allgemein die neokoloniale Hegemonie Frankreichs auf dem afrikanischen Kontinent nennt. Siehe inamo Nr.72, Winter 2012, S. 24 ff.) schon für beendet erklärt. Taten sind dem bislang nicht gefolgt. Im Gegenteil weist alles darauf hin, dass die Sozialisten wie schon unter Mitterand oder Jospin aller gegenteiligen Rhetorik zum Trotz einmal mehr in die Fußstapfen ihrer konservativen Vorgänger treten und den ohnehin schon beschrittenen Kurs weiterführen.
http://www.afrikaecho.de/2012/12/hollande-in-algerien-geschafte-sind-wichtiger-als-grose-gesten/

Weizengeschäfte der FSA

20.12.2012

Ein türkischer Journalist, der im Grenzgebiet Türkei – Syrien arbeitet, berichtet über Aktivitäten der FSA: "Zwei Tage vor der "Nahrungsmittelkrise" in Aleppo, berichteten mir Freunde aus dem Hatay, dass Syrer in der Stadt Brot verkauften. Das syrische Brot sieht auch im Hatay anders aus als das türkische.“  Ein Kommandeur der Tawheed-Brigade, Abdulqader as-Salah, scheint in Weizengeschäfte verwickelt zu sein. Seine Verbindungen zum türkischen Geheimdienst in der Region Gaziantep scheinen ihm dabei zu helfen.  Er lebt zur Zeit in Gaziantep, verkauft Weizen und Gebrauchtwagen.  In Ceylanpinar (Grenzstadt bei Ras al-Ain) berichteten die Kurden, dass bei einer Schlacht zwischen der FSA und kurdischen Milizen, die FSA Milizen den Weizensilo plünderten. Er scheint aber nicht in Aleppo verkauft zu werden, dort wo  absoluter Brotmangel herrscht. Protestieren deshalb viele Aleppiner gegen die FSA unter dem Slogan: „Wir wollen die reguläre Armee, die FSA sind Diebe“ (Bidna al-jeish an-nizami, al-jeish al-hurr harami?  Auf einigen Fotos von Reuters sind FSA Mitglieder an einem Weizensilo zu sehen. Bildunterschrift von Reuters: „Bewaffnete, loyal zu Asad, bombardieren den Silo und greifen die FSA an.“

In Aleppo gibt es auch Berichte über den Abbau von Fabriken durch die FSA und den Verkauf der Einzelteile in die Türkei. Auch das Elektrizitätswerk bei Mahardah, das hauptsächlich Hama mit Strom versorgt ist angegriffen worden. Auch in Gebiet von Aleppo ist die Stromzufuhr unterbrochen. (Berichte aus Angry Arab)

Siehe auch: http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/kein-brot-kein-leben--67593941.html